Sonnenbär, Regenwald und noch viel Meer
March 11, 2024
Gestern war ein ziemlich anstrengender Tag - darum gibt es heute eine Doppelfolge. Ich bin aber zu faul, um alle Bilder zu betiteln; denkt euch einfach selber eine Geschichte dazu aus.
Um 9 fährt uns ein Freund von Bapak aus Balikpapan heraus, in den Wald. Es geht zu einem Sonnenbären-Wildgehege - ironisch, denn es regnet heute. Je weiter wir aus der Stadt herauskommen, desto unzuverlässiger werden die Straßen - am Ende fahren wir Slalom, um Schlaglöchern auszuweichen. Irgendwann kommen wir am Wildgehege an. Wir haben Pech gehabt - die Bären haben gerade gegessen und machen Verdauungsschlaf. Trotzdem können wir zwei erspähen. Einer von den insgesamt sechs Bären heißt Pedro - ich weiß aber nicht welcher.
Diese Sonnenbären (auf Indonesisch “Honigbären”) sind das Maskottchen von Balikpapan - aber wegen immer weiter schrumpfendem Lebensraum eine gefährdete Art.
Wir fahren weiter. Unser nächstes Ziel: Bukit Bangkirai, ein begehbares Regenwaldschutzgebiet.
Die Straße ist… wyld. Ich dachte, die Straße zu den Bären war schlimm. Hier war ich mir stellenweise nicht mal sicher, dass die Straße überhaupt noch existierte. Wir fahren Schrittgeschwindigkeit - ich fühle mich trotzdem so, als säße ich in einem Ayranbecher, der entsprechend der Verzehranweisung vor dem Öffnen geschüttelt werden muss. Nach einer Weile (Strecke vielleicht 1-2km, in Ayranbechern: 5 Liter) kommen wir an. Der Wald ist lebendig. Und laut. Ich dachte nie, dass Wald so laut sein kann. Die Vögel machen Geräusche, die ich so noch nie von Vögeln gehört habe. Insekten machen… idk Insektengeräusche (bzzzzzzzzz). Ein vieldimensionales geschichtetes Konzert, bei dem ich die Hälfte der Instrumente nicht kenne. Auch die Pflanzen haben viel größere Variation als ich es gewohnt bin. Es gibt runde Blätter, spitze Blätter, Blätter so groß wie ein Kleinkind, Blätter so klein wie ein Großkind, Blätter mit Stacheln, Blätter, die zurückweichen, wenn man sie anfasst (an dieser Stelle merkt man vielleicht, dass ich kein Botaniker bin). Wir klettern auf eine Aussichtsplattform hoch. Sie ist per Hängebrücken mit anderen Bäumen verbunden - über den meisten anderen Bäumen. Die Aussicht über das Blättermeer ist bezaubernd - der Wald hört gar nicht mehr auf.
Danach geht die Fahrt noch ein wenig weiter (und wenn ich sage ein wenig, meine ich sehr viel). Wir schauen uns die neue Hauptstadt, Nusantara, an. Das Wort Nusantara kommt aus dem Javanesischen und bedeutet ursprünglich nur “die äußeren Inseln” (gemeint sind alle Inseln, die nicht Java sind). Heutzutage meint man mit dem Begriff meist das indonesische Archipel; zumindest bis jemand die Idee hatte, eine neue Hauptstadt zu bauen und sie genau so zu nennen.
Die Idee dahinter ist, dass Jakarta zwar eine coole Stadt ist, aber vielleicht ein bisschen groß, weil da alles ist - darum soll das politische Zentrum Indonesiens ausgelagert werden. Dafür wird in der Nähe von Balikpapan eine komplett neue Stadt gebaut. Tausende von Bauarbeitern (das sind ungefähr 100 mal so viele, wie es meiner Erfahrung nach in Deutschland gibt) schuften dort jeden Tag, um den straffen Zeitplan einzuhalten. Am 17. August (zum Unabhängigkeitstag) diesen Jahres soll sie eingeweiht werden. Dafür sah sie aber noch nicht so sehr ausgebaut aus. Kaum ein einziges fertiges Gebäude stand; überall Haufen an aufgeschütteter Erde, Gestrüpp, und sehr, sehr viele Kräne. Wäre das eine deutsche Baustelle, wäre ich überrascht, wenn dieses Jahrzehnt noch ein einzelnes Gebäude fertig wird, geschweige denn eine ganze Stadt.
Heute war die Beach Episode. Da gestern so anstrengend war, machen wir heute nicht so viel. Am Vormittag wird entspannt und ausgeschlafen. Nachmittags geht es an den Strand, ins Meer. Das Wasser ist sehr warm - was mich wirklich nicht überraschen sollte. Wir treiben ein wenig im Meer rum, und bauen dann Sandburgen. Ich fokussiere mich darauf, einen Wasserschutzwall mit Graben für meine Burg zu bauen, Lily baut einen Minimalgraben, fokussiert sich aber hauptsächlich darauf, ihre Burg schön zu machen. Sie weist mich freundlich darauf hin, dass ihre Burg schöner ist. Ich entgegne, dass mir die Sicherheit meiner Burg wichtiger ist. Lily sagt, dass ihre Burg eine Brücke hat. Ich vertiefe meinen Wasserschutzgraben. Eine große Welle kommt und schwemmt die Hälfte von Lilys Burg weg. Mein Wall hält; mein unförmiger Sandbunker überlebt. Ich schichte weiter den Sandwall auf - die Wellen werden nur noch stärker werden. Irgendwann gebe ich den Schutz meiner Bevölkerung wie ein bestochener Politiker auf und gehe wieder ins Meer. Die Sonne ist fast untergegangen, aber es ist noch warm. Wir bleiben aber nicht mehr lange - wir sind erschöpft und hungrig.