Tag 6
March 8, 2024
Die Medikamente wirken, ich fühle mich wieder fit. Ich werde keinen Marathon laufen, aber für einen Ausflug zum Markt reicht es. Wir nehmen einen angkot (angkutan kota (Stadt-Transporter (Bus))) in die Stadt. Solche Kontraktionen sind in Indonesien beliebt: Monas (monumen nasional), makasih (terima kasih, Dankeschön), gabut (gaji buta, auf der Arbeit faulenzen), ruko (rumah toko, ein Haus über einem Laden) sogar der Präsident Joko Widodo wird meistens nur Jokowi genannt. Es gibt sehr wenige tatsächliche Bushaltestellen. Stattdessen winkt man einfach einen Bus an den Straßenrand, wenn man Bus fahren möchte. Das ist komplett gegensätzlich zu Bussen in Deutschland, die erfahrungsgemäß losfahren, wenn man Richtung Bus rennt und dem Busfahrer winkt. Wenn man aussteigen möchte, sagt man einfach Bescheid und der Busfahrer hält zum Leidwesen des restlichen Straßenverkehrs an.
Nachdem die letzten Tage vor allem die Superkraft von Lilys Vater im Vordergrund stand (er ist mit jedem befreundet), lerne ich auf dem Markt die Superkraft von Lilys Mutter: Gnadenloses Verhandlungsgeschick.
“Was kostet das hier?”
“150” (gemeint ist 150.000)
“75”
“wie wäre es mit 140?”
“80”
“Nein, das ist viel zu billig, 130?”
Ibu starrt einfach nur, fühlt den Stoff, schaut auf die Makel
Die Verkäuferin fängt an zu schwitzen; Ibu kennt sich mit Stoffen aus,
und schaut sehr, sehr kritisch
“Das Muster hier, das ist nicht sauber gewebt… Die Farbe hier, ist schon
am verblassen. Wenn du mir keine 90 gibst, gehe ich jetzt”
“120?”
Ibu dreht sich um, zwinkert uns zu, und macht Anstalten zu gehen
“110?”
Ibu dreht sich sofort wieder zurück
“200 für 2 Stück”
Die Verkäuferin nickt; sie sind sich einig
Ein ähnliches Spiel wiederholt sich an jedem Stand, an dem wir anhalten. Manchmal kaufen wir, manchmal nicht. Wir gehen Mittagessen und anschließend nach Hause.
Heute Nachmittag ruft mich Ibu nach draußen. Es ist Zeit, die Lai-Früchte zu essen (die natürlich draußen gelagert werden, denn die Früchte stinken selbst durch die Schale durch). Zu meiner großen Überraschung sieht die Frucht innen nicht aus wie Knoblauch. Das orangene Fruchtfleisch liegt in einzelnen Kammern; wenn man diese sanft auseinander drückt, kommt es zum Vorschein. Das Hauptaroma ist ähnlich wie dem von verrottenden Zwiebeln, schmeckt aber gut. Sie ist sehr süß, und eine Vielzahl an anderen Aromen setzt sich auf die Zwiebel obendrauf - Gewürze, ein Hauch von Papaya, matschige Bananen, und mehr als ich beschreiben kann. Definitiv empfehlenswert, auch wenn mehr als eine halbe Frucht auf einmal für mich glaube ich zu viel wäre.
Abends geht es nochmal in den Mall. Wir gehen vorher Mie Ayam essen, im Lieblingsrestaurant der Djamis. Ich kaufe mir eine etwas leichtere Hose (Jeans sind hier wirklich nicht optimal), und einen Regenschirm.
Meine Stiche spüre ich kaum mehr; sie sind sehr weiterhin außerordentlich gut sichtbar. Die Moskitos hier sind definitiv anders gebaut .